Ja, schon wieder eine neue Bezeichnung für den Boatercross. Hatten wir uns letztes Jahr erst mit Kanuslalom Extreme oder CSLX die Zunge verknotet, sind wir jetzt bei Kayak Cross gelandet. Es gab ein paar Änderungen bei den Regeln, aber das waren Anpassungen, um z. B. die kreative Auslegung des Beginns der Rollzone, besser einzugrenzen. Ansonsten fühlt es sich immer noch wie Boatercross an.

Für die SKG Hanau war dieses Jahr neu, dass Caroline Trompeter sich nicht wie gewohnt von der Rampe stürzte. Sie zeichnete dieses Jahr für die Streckenführung verantwortlich und nutzte Ihre Erfahrung, um die Tore so zu positionieren, dass eine anspruchsvolle, dem Sinn des Boatercross entsprechende Linie den Eiskanal abwärtsführte. Nicht alle werden die Strecke gemocht haben, aber wie am Abend vorher schon bei der Kampfrichterschulung klar gesagt wurde, verabschiedet euch von dem Kanuslalom-Denken.
Das ist Kanuslalom Extr…, ähh, CSL…, verdammt Kajak…., nein Kayak Cross.

Auf der Strecke gab es alles was beim Boatercross dazugehört: quer durch die Waschmaschine in ein Single Upstream (verstecken ist nicht), dann die Möglichkeit durch eine alternative Linie zu überholen, Bogenbrücke runter dahin wo eigentlich keiner hinwill, danach ein Aufwärtstorpaar mit Wahloption zum Überholen und in der abschließenden Abwartstorkombination wieder die Möglichkeit eine alternative Linie zu wählen.

In diesem Jahr ging in der Leistungsklasse der Herren Marlon Kaul und zum ersten Mal Robin Stroß in der U18/m für die SKG Hanau an den Start.
Beide überstanden die erste Hürde, die Zeitläufe, und qualifizierten sich für die Viertelfinalläufe.
Nach der Auslosung der Gruppen scherzte Marlon: “Da können wir heute früh heimfahren, das ist eine Todesgruppe“. Hatte er doch mit Stefan Hengst und Noah Hegge die Nummer eins und zwei der Nationalmannschaft in seinem Lauf. Komplettiert wurde der Heat von Luis Erschig, der dem erweiterten Nationalkader angehört. Totgesagte leben länger. Direkt ab dem Start begann Marlon sich darauf zu besinnen, was er kann, und nervte die Vorauseilenden (Polos, wissen wie das geht), so dass diese ihre Qualität aus dem Kanuslalom nicht aufs Wasser bringen konnten. Am ersten Aufwärtstor fand er eine Lücke, die man ihm nicht geben darf, attackierte und fand sich in zweiter Position wieder. Diesen Platz hielt er taktisch klug bis ins Ziel.

Marlon an erkämpfter zweiter Stelle hinter Weltmeister Stefan Hengst

Hatte Marlon vor dem Lauf noch gescherzt, dass die anderen ihn doch bitte überleben lassen sollen, war nach dem Lauf klar, dass er sich vor großen Namen nicht fürchtet und er mit Caroline Trompeter eine Mentorin hatte, die ihn in der Vergangenheit schonungslos auf alles vorbereitete (Caro hatte sichtlich ihre Freude beim Zuschauen). Wie gesagt, verabschiedet euch von dem Kanuslalom-Denken.
Aber irgendwann stirbt man doch. Marlon ereilte das Aus bei der späten Überprüfung der Läufe durch den Videojudge. Eine nicht ganz saubere Befahrung an einem Abwärtstor brachte ihm eine Strafe ein und verhinderte kurz vor dessen Beginn den Einzug ins Halbfinale.

In der U18 hingegen fand Robin Stroß den Weg bis ins Halbfinale. Im Viertelfinale konnte er sich klar für die nächste Runde qualifizieren. Er zeigte, dass auch er ein Gefühl für diese Sportart hat, bei der viel von der richtigen Taktik und der Gabe abhängt, schnell zu improvisieren. Auch mit dem Boot, das er erst kurz zuvor zum ersten Mal bewegte, wusste er umzugehen. Im Halbfinale sah es lang vielversprechend für ihn aus, doch am letzten Aufwärtstor kämpfte er mit einem Konkurrenten. Und wie so oft, wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, der sich in diesem Fall an den beiden vorbei auf den zweiten Platz und somit ins Finale schieben konnte.

Robin im oberen Teil der Strecke auf dem Weg in die Rollzone

Durchweg konnte man bei den Sportlern gut gelaunte Gesichter sehen, einige Ausnahmen – vermutlich einer kurzen Nacht geschuldet – übersehen wir mal und auch das Fairplay wurde großgeschrieben.
Es ist klar festzustellen, dass – wie immer auch der Name – die Sportart bei den Athlet:innen angekommen ist.
Positiv ist, dass man langsam hoffen darf, dass die Sportart nicht weiter nur ein stiefmütterliches Dasein neben dem Kanuslalom fristen muss. Haben doch die ein oder anderen Verantwortlichen bemerkt, dass es sich um eine eigenständige Disziplin (olympisch) handelt und es keinen Sinn ergibt, nur zu hoffen, dass die Kanuslalomfahrer das einfach so mitfahren und das dann schon passt mit den Ergebnissen. Aus einigen Ecken war zu hören, dass man wohl etwas machen muss, um nicht in Zukunft ins Hintertreffen zu geraten. Disziplinübergreifend angeeignete Fähigkeiten aus dem Wildwasser oder dem Kanupolo sind – wenn auch nicht zwingend – doch klar von Vorteil.
Vielleicht wäre einfach schon nicht mehr totschweigen und offen für Neues sein ein Anfang, der ja auch das oftmals knappe Budget nicht belastet.

Noch zu erwähnen bleibt, dass Katharina Nesselträger, die in Hanau mit dem Paddeln begonnen hat, kurzfristig meldete. Ausgestattet mit allerlei geliehenem Material (Boot, Spritzdecke, Schwimmweste und Helm einer Weltmeisterin) und zum ersten Mal unterwegs in dieser Disziplin, machte sie auf der ganzen Strecke eine gute Figur, nachdem sie sich furchtlos die Rampe herunterstürzte.

Katha auf dem Weg in‘s Wasser

Wenn man bedenkt, wie alt sie ist und dass sie noch nicht so lang im Boot sitzt, wie viele andere ihrer Altersklasse, lässt das auf mehr hoffen.

Zu hoffen bleibt auch, dass die Veranstalter etwas mitnehmen für die nächsten Rennen dieser Art. Das lange Warten auf Ergebnisse und die nächsten Läufe ist Gift für die Atmosphäre, die einen großen Teil dieser Sportart ausmacht. Sowohl bei den Zuschauer:innen an der Strecke als auch unter den Sportler:innen, war das deutlich zu merken.
Alle hatten gehofft, dass die campingartigen Zustände im Startbereich aus dem Vorjahr der Vergangenheit angehören. Und wenn beim nächsten Mal die bunten Leibchen vor dem Start noch richtig verteilt werden, sieht es für zukünftige Boatercr…. ähh Kayak Cross Veranstaltungen auch ziemlich gut aus.

Wie schon so oft war Frank Trompeter für die SKG Hanau als Kampfrichter (Hauptschiedsrichter-Assistenz) im Einsatz. Danke dafür und für die Zitatvorlage:

„Verabschiedet euch von dem Kanuslalom-Denken!“

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