Wir trauern um Gerfried Burdack
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von unserem Vereinsmitglied Gerfried Burdack.
Sein Tod erfüllt uns mit tiefer Betroffenheit. Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt seiner Frau Traute und allen langjährigen Wegbegleitern.
Gerfried war über viele Jahre ein prägender Teil unseres Vereinslebens. Als Sportler, Trainer, Begleiter und Freund bleibt er vielen von uns in lebendiger Erinnerung.
Nachfolgend veröffentlichen wir den persönlichen Nachruf von Wolfgang Busch.
Nachruf auf Gerfried Burdack, dem vielseitigen Hochleistungssportler mit ausgeprägtem sozialem Engagement
(von Wolfgang Busch)
Die erste Begegnung mit Gerfried und Traute Burdack, aus der eine lebenslange Freundschaft entstand, fand 1973 beim Ranglistenkanuslalom des DKV in Lofer an der Saalach statt. Das 15 Jahre ältere berufstätige Lehrerehepaar kam frisch aus Lateinamerika, wo sie ein „Sabbatjahr“ verbracht hatten. Dort hatte Gerfried mit einheimischen Sportkameraden Wildwasserboote gebaut, um die reißenden Flüsse herunterzupaddeln. Später in der SKG Hanau blieb Gerfried dem Wildwasserabfahrtswettkampfsport treu und feierte viele Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene. In fortgeschrittenem Alter wurde er Drachenbootweltmeister. Gerfrieds erfolgreichster Paddelschüler Frank Steinhauser holte im Wildwasser-Einercanadier eine Vizeweltmeisterschaft für Deutschland im Teamwettbewerb.
Im ersten Winter unserer Freundschaft nahmen Gerfried und Traute Barbara und mich über Weihnachten und Neujahr mit zu einem Treffen mit Lehrerkollegen im Zentralmassiv. Dort, in einem kalten Betonhaus in einem fast verlassenen Dorf, kümmerten sich 3 französische befreundete Lehrkräfte um 10 schwer erziehbare Jugendliche. Wir liefen morgens etwa 3 Kilometer mit den Langlaufski unterm Arm zur einzigen selbstgespurten Loipe. Dort scheuchte Gerfried uns etwa 2 Stunden durch den Wald, dann den Weg zurück. Abends waren die schwer erziehbaren Jungs ganz brav und fielen müde ins Bett. Von seiner besonderen Gabe, Kinder und Jugendliche zu begeistern, profitierten Generationen von jungen Menschen.
Im Wintertraining der SKG Athleten im Vereinsrhönhaus behielt der ökologisch bewusste Gerfried, solange es ging, seine alten Holzski. Der Rest der etwa 15 Jahre jüngeren Topathleten packte die neuesten Hightech-Langlaufski, Wachskoffer mit Thermometer und 20 verschiedenen Wachssorten aus. Gerfried loipelte schon mal eine halbe Stunde, bis die Hightech Performer fertig gewachst hatten. Dann stürmte die ganze Gruppe los, doch Gerfried lief mit seinem alten Material immer allen davon. So war er.
Auch in gemeinsamen Sommerurlauben wurde täglich C1 trainiert. So auch in der südlichen Normandie, wo Gerfried ein Jahr im Lehreraustausch verbrachte. Auf seinem sehr kippeligen Abfahrtscanadier hatte Gerfried immer ein Ersatzpaddel mit Tape befestigt, da er mit seiner unbändigen Kraft schon mal ein Paddel abbrechen konnte.
Nach seiner Leistungssportkariere widmete sich der ehemalige Judoka Gerfried im Verein jugendlichen Freizeitpaddlern, um sie ans Wildwasserfahren heranzuführen. Bei Paddeltouren war Gerfried der Fels in der Brandung. Mit ihm fühlte man sich sicher auch in brenzligen Situationen.
Auch sein soziales Engagement als Betreuer von Blinden bei der Weißen Speiche ist hervorzuheben. Beim Radrennen rund um den Henninger Turm belegte er mit seiner blinden Partnerin den zweiten Platz in der Amateur-Mix-Tandem Klasse.
Über 30 Jahre lang tobte sich Gerfried im eigenen Waldgrundstück bei Rombach le Franc im südlichen Elsass beim Bäume fällen aus. Hier wurden viele Vereinsmitglieder und Freunde immer herzlich im Waldhaus von den beiden Burdacks empfangen. Auf Gitarre und Geige musizierten die beiden gerne gemeinsam. Natürlich bekam man den selbstgekelterten Äbbelwoi serviert.
Die viele Jahre durchgeführten herbstlichen 2-tägigen Kanufahrten durch das herrliche Rheintal von Ingelheim über Bacharach bis Boppard habe ich in lebhafter Erinnerung. Immer an der Loreley holte Gerfried seine Trompete aus dem Boot und blies die Melodie „Warum ist es am Rhein so schön“, auch typisch Gerfried mit seinem Humor – und immer ein Lachen im Gesicht.
Von unendlich vielen gemeinsamen Flußbefahrungen wie der Loisach oder dem Lech mit den Nebenflüssen Bschlabser Bach, Madaubach und Hornbach, Albula, schweizer und französischen Wildwassern und auch Bergtouren zur Hanauer Hütte werden wir immer wieder erzählen.
Klar kam Gerfried wöchentlich per Fahrrad die etwa 40 Minuten lange Strecke von Heusenstamm nach Hanau zum Paddeltraining, dies bis vor zwei Wochen, als ich dem 84 jährigen Freund zum letzten Mal im Bootshaus begegnete.
Mach‘s gut Gerfried! Wir werden Dich nie vergessen!






